
Sehen ist etwas sehr Unmittelbares. Wir öffnen die Augen und sehen die Welt. Im Alltag denken wir gar nicht darüber nach, was da im Hintergrund passiert.
Genau darin liegt das Problem: Weil Sehen für uns so selbstverständlich ist, schleichen sich im Alltag ungünstige Gewohnheiten ein, die wir gar nicht bemerken. Diese nicht weiter bewussten (Seh-)Gewohnheiten kann man auch als Sehfallen bezeichnen – und sie sind einer der häufigsten Gründe für digitalen Sehstress.
Was sind Sehfallen genau?
Sehfallen sind ungünstige Sehgewohnheiten, in die wir im Alltag unabsichtlich hineinrutschen. Anders als bei einer Sehschwäche oder einer Augenerkrankung handelt es sich dabei nicht um ein medizinisches Problem, sondern um ein meist unbemerktes Verhalten, das zu einer Anstrengung der Augen führt.
Und genau wie bei einer schlechten Körperhaltung, merkt man die Folgen oft erst, wenn sie sich über Monate oder Jahre Aufsummen haben.
Das Tückische: Sehfallen fühlen sich im Moment nicht falsch an. Niemand hat Schmerzen, während er in eine Sehfalle tappt. Die Belastung zeigt sicher später: als Verspannung, als Müdigkeit der Augen, als nachlassende Sehschärfe.
Die häufigsten Sehfallen im Alltag
Dauer-Nahsicht: In unserer natürlichen Lebenswelt wechseln wir ständig zwischen dem Blick in die Nähe und dem Blick in die Ferne. Das ist uns gar nicht bewusst, da die Verarbeitung im Gehirn so schnell ist, dass wir dem keine Beachtung schenken müssen. Wenn wir nun den Großteil des Tages auf dem Bildschirm, ein Smartphone oder ein Buch schauen, fällt dieser natürliche Wechsel von Nähe und Ferne nahezu vollständig weg.
Starrer Blick: Wenn wir konzentriert arbeiten, sei es am Bildschirm, beim Lesen oder wenn wir handwerklich etwas mit hoher Konzentration machen, verharren die Augen oft minutenlang auf demselben Punkt, ohne den Fokus zu wechseln. Die Augenmuskulatur bleibt hier immer in der gleichen Haltung fixiert. Ebenso blinzeln wir weniger.
Immer derselbe Abstand, dasselbe Licht: Ob wir nun am Schreibtisch sitzen oder am Sofa ins Handy schauen, der Abstand zum elektronischen Gerät und die Lichtverhältnisse bleiben dabei oft über Stunden gleich. Der Augenmuskulatur fällt dadurch der Trainingsreiz, den unterschiedliche Entfernungen und Lichtbedingungen normalerweise bieten würden. Sie erstarrt und wird unflexibel.
Bewegungsmangel: Wenn wir viel sitzen, bewegen wir in der Regel auch die Augen weniger – der ganze Körper erstarrt, Rücken und Nacken verspannen sich in immer der ähnlichen Position und die Augen bewegen sich in einem minimalen Bereich, der nicht der natürlichen Lebenswelt entspricht.
Woran erkennt man, dass man in Sehfallen tappt?
Die folgenden Warnsignale sind typische Hinweise auf Sehfallen:
- Die Augen fühlen sich am Abend trocken an und brennen.
- Am Abend oder nach mehreren Stunden Bildschirmzeit fühlen sich die Augen müde und angestrengt an
- Am Ende des Tages sieht man deutlich unschärfer.
- Verspannungen von Gesicht, Nacken und Rücken nehmen zu.
- Die Lichtempfindlichkeit und die Blendempfindlichkeit wird stärker.
- Die Konzentration lässt nach längerer Nacharbeit merklich nach.
- Man benötigt in kürzeren Abständen eine neue stärkere Brille.
Keines dieser Symptome beweist für sich allein, dass Sehfallen die Ursachen sind – aber in Kombination und bei viel Bildschirmzeit sind sie ein deutlicher Hinweis, genauer hinzuschauen.
Wie man Sehfallen im Alltag entgegenwirkt
Der erste Schritt ist, sich die eigenen Sehgewohnheiten bewusst zu machen. Denn nur was man bemerkt, kann man auch verändern.
Wenn man ein Bewusstsein für die eigenen Sehbelastungen entwickelt hat und erkennt, was sich im Alltag ungünstig auf Augen und Sehen auswirkt, können verschiedene Schritte zum Ausgleich von Sehfallen beitragen.
Augenpausen statt Dauerbetrieb. Kleine, aber regelmäßige Unterbrechungen geben der Augenmuskulatur Zeit, sich zu erholen statt sich an eine einzige Position zu “gewöhnen“.
Gezielte Sehübungen. Übungen, die die Augenmuskulatur bewusst in unterschiedliche Richtungen und Entfernungen führen, die Linse entspannen, wirken der Einseitigkeit der Bildschirmarbeit gezielt entgegen und sind ein zentraler Baustein im Vital-Sehen-Konzept.
Bewusste Blickwechsel einbauen. Es empfiehlt sich, regelmäßig den Fokus von der Nähe in die Weite zu wechseln, anstatt stundenlang auf denselben Punkt zu starren. Hier ist ein kurzer Blick aus dem Fenster schon oft ausreichend.
In Bewegung bleiben. Wer sich bewegt, bewegt auch automatisch die Augen mit – beim Gehen schweift der Blick ständig zwischen nah und fern, zwischen verschiedenen Gegenständen und Entfernungen hin und her.
Umgebung wechseln. Unterschiedliche Lichtverhältnisse und Blickdistanzen im Tagesverlauf – etwa ein kurzer Spaziergang draußen – geben den Augen die Abwechslung, die ihnen am Bildschirm fehlt.
Der erste Schritt: Wahrnehmung schulen
Sehfallen zu vermeiden, beginnt nicht mit einer neuen Brille, sondern mit der Aufmerksamkeit für die eigenen Sehgewohnheiten. Wer einmal gelernt hat, worauf zu achten ist, kann viele dieser Sehfallen im Alltag mit kleinen, oft einfachen Anpassungen selbst ausgleichen – eigenverantwortlich und ohne großen Aufwand.
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